Bewegungsorgane



Abb. 21.1
Frisches postoperatives Hämatom nach Hüft‑TEP. Man erkennt die echoarme Raumforderung mit unregelmäßiger, diffuser Begrenzung und leichten Binnenreflexen sowie dorsaler Schallverstärkung (1: Trochanter major; 2: Hämatom)






  • Meist echoarme, unregelmäßig begrenzte Raumforderung.


  • Je nach Alter des Hämatoms unterschiedliche Menge an Binnenreflexen.


  • Bei sehr alten Hämatomen teilweise hyperechogene Strukturen.


  • Dorsale Schallverstärkung.



21.1.2 Serom


Da Serome sehr häufig Folge von alten Hämatomen sind, gelten die gleichen umgebungsanatomischen Kriterien wie bei den Hämatomen.

Sonomorphologie Serom (◘ Abb. 21.2):


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Abb. 21.2
Typisches Serom am Unterschenkel, prätibial, lateral nach Hämatom. Erkennbar ist die echofreie Raumforderung, es sind ein paar Fibrinfäden in der Flüssigkeit erkennbar. Glatte Begrenzung und dorsale Schallverstärkung





  • Echofreie, meist glatt begrenzte Raumforderung.


  • Keine bis geringe echoreiche Binnenreflexe.


  • Deutliche dorsale Schallverstärkung.


21.1.3 Gelenkerguss


Alle Gelenkergüsse stellen sich im Grunde genommen gleich dar. Es findet sich eine intraartikuläre echoarme bis echofreie Raumforderung. Je nachdem, ob es sich um einen serösen oder hämatogenen/pyogenen Erguss handelt, zeigen sich echoreiche Binnenreflexe. Zum Teil stellen sich auch größere Fibrinfäden dar. Die Gelenkkapsel, die in der Regel dem Knochen/Knorpel direkt aufliegt, ist abgehoben.

Sonomorphologie Gelenkerguss (◘ Abb. 21.3):


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Abb. 21.3
a Kniegelenkerguss: typische echoarme Raumforderung mit Distension der Gelenkkapsel, die von den anatomischen Strukturen abgehoben ist. Durch Anspannen der Muskulatur lassen sich die Rezessus „ausmelken“, sodass der Erguss besser dargestellt werden kann (linkes Bild ohne Anspannung, rechtes Bild mit Anspannung; 1: Femur; 2: Quadrizepssehne; 3: kranialer Patellapol; 4: Erguss). b Typisches Bild eines Hüftgelenkergusses, deutliche Kapseldistension erkennbar (1: Femurkopf; 2: Schenkelhals; 3: Gelenkkapsel; 4: Erguss)





  • Echoarme bis echofreie Raumforderung.


  • Je nach Entität unterschiedliche Binnenreflexe.


  • Von den anatomischen Strukturen abgehobene Gelenkkapsel.


21.1.4 Abszess


Zu allgemeinem, ▶ Abschn. 21.1.1.

Abszesse sind nicht immer leicht sonomorphologisch von Hämatomen abgrenzbar. Hier ist der entscheidende differenzialdiagnostische Unterschied durch die klinischen Symptome erkennbar.

Sonomorphologie Abszess :





  • Echoarme Raumforderung mit teils glattwandiger, teils unklarer, diffuser Abgrenzung.


  • Dorsale Schallverstärkung.


  • Echoreiche Binnenreflexe, die sehr inhomogen sind.


  • Ggf. kleine punktförmige, im schallkopfnahen Bereich liegende, pünktchenförmige Binnenreflexe als Ausdruck der Totalreflexion bei Gasblasen .


  • Nach Umlagerung Änderung der Position der Gasreflexe.


21.1.5 Ödem


Im Wesentlichen sind hier die subkutanen Ödeme gemeint, deren Ursachen sehr vielfältig sein können. Diese reichen vom Vorliegen einer Thrombose bis hin zur Lymphabflussstörung aufgrund des operativen Zugangsweges. Die Erscheinungsform des Ödems ist allerdings immer homogen gleich.

Sonomorphologie Ödem (◘ Abb. 21.4):


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Abb. 21.4
Ödem periartikulär im Bereich des Kniegelenkes nach einer Quadrizepssehnenrefixation: Man erkennt sehr gut die im subkutanen Fettgewebe eingelagerten Flüssigkeitsansammlungen mit Septierung. Das Gewebe erscheint echoreicher, bedingt durch die vielen kleinen dorsalen Schallverstärkungen (1: laterale Patellakante; 2: Flüssigkeit zwischen den Fettzellen und Septen)





  • Deutliche Verdickung der epifaszialen Subkutanschicht.


  • Deutliche echofreie Flüssigkeitseinlagerung im subkutanen Fettgewebe mit Auseinanderdrängung der Schichtenseptierung.


  • Deutliche subfasziale Schallverstärkung.


  • Diffuse Abgrenzung zum umgebenden gesunden Gewebe.


21.1.6 Tendovaginitis


Alle dem Ultraschall zugänglichen Sehnen zeigen einen typischen Aufbau mit echoreicher Sehne (Sehnen müssen immer senkrecht angeschallt werden, sonst ist die Sehne nicht darstellbar) und umgebendem peritendinösen echoarmen Gleitgewebe. Dieses Gleitgewebe kann entzündlich verändert sein. Die Sonomorphologie einer Tendovaginitis ist in allen Bereichen gleich.

Sonomorphologie Tendovaginitis (◘ Abb. 21.5):


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Abb. 21.5
a Tendovaginitis der Tibialis-posterior-Sehne am Innenknöchel im Längsschnitt: Erkennbar ist der echofreie Saum um die gut zu erkennende Sehne mit typischer Binnentextur einer Sehne. Im Querschnitt Halo-Effekt (kreisrunde echofreie/echoarme Struktur mit echoreichem Binnenreflex – hier Sehne; 1: Tibialis-posterior-Sehne; 2: Flüssigkeitsansammlung in der Sehnenscheide; 3: Subkutangewebe). b Querschnitt mit Halo-Effekt (1: Tibialis-posterior-Sehne; 2: Flüssigkeitsansammlung in der Sehnenscheide; 3: Innenknöchel)





  • In Längsrichtung normal dargestelltes Sehnengewebe.


  • Die Sehnen umgebende echoarme Struktur ist deutlich verdickt.


  • Die peritendinöse Verdickung ist in der Regel echofrei.


  • Dorsale Schallverstärkung.


  • Gutes Gleiten der Sehne innerhalb des verdickten Gleitgewebes.


  • Im Querschnitt zeigt sich der Halo-Effekt mit zentral liegendem echoreichem Binnenreflex als Sehnenreflex sowie dem verdickten echofreien peritendinösen Gleitgewebe.



21.2 Schulter


Die Schulter stellt das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers dar, bei dem ausgesprochen viele anatomische Strukturen auf engstem Raum angeordnet sind. Somit liegen auch pathologische Veränderungen unterschiedlicher Strukturen eng beieinander. Die Schulter setzt sich aus dem Glenohumeralgelenk und dem Akromioklavikulargelenk zusammen. Als wesentliche Strukturen sind die Bursa subdeltoidea und subacromialis sowie die Rotatorenmanschette zu nennen, die aus dem M. subscapularis, M. supraspinatus und M. infraspinatus sowie dem M. teres minor gebildet wird. Zusätzlich ist als wesentliche Struktur die lange Bizepssehne im Verlauf des Sulcus bicipitalis durch das Gelenk bis zum Bizepssehnenanker am Glenoidrand zu nennen (◘ Abb. 21.6.)


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Abb. 21.6
Anatomie der Schulter. Aus Tillmann (2009) Atlas der Anatomie. Springer, Heidelberg

Im Weiteren sollen nun einige häufige und einfach zu diagnostizierende Krankheitsbilder an der Schulter beschrieben werden. Auf die Darstellung aller Schnittebenen an der Schulter wird verzichtet. Es werden nur die zu den sonoanatomischen Bildern gehörenden Schnittebenen mit abgebildet.


21.2.1 Bursitis subdeltoidea /subacromialis


Der Schallkopfes wird in Längsrichtung der Hautfalte des M. trapezius aufgesetzt und lateral über das Akromion verschoben (Rabenschnabelschnitt , ◘ Abb. 21.7, ◘ Abb. 21.8):


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Abb. 21.7
Darstellung der Stellung des Schallkopfes. Dieser wird auf die tastbare Falte des M. trapezius aufgesetzt und dann nach lateral verschoben, bis die Schnittebene über dem Humeruskopf erreicht ist (Rabenschnabelschnitt)


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Abb. 21.8
Darstellung des Rabenschnabelschnittes. Erkennbar ist die deutliche echoarme Schicht zwischen M. deltoideus und Rotatorenmanschette. Dies entspricht einer deutlichen Bursitis subacromialis/subdeltoidea. Die Rotatorenmanschette ist intakt (1: Akromion; 2: M. deltoideus; 3: Rotatorenmanschette; 4: Humeruskopf; 5: Bursitis subdeltoidea)





  • Oberhalb der Rotatorenmanschette zeigt sich eine echoarme bis echofreie schmale Struktur.


  • Dorsale Schallverstärkung.


  • Normale Konfiguration der Rotatorenmanschette.


21.2.2 Tendinitis calcarea


Der Schallkopf wird in Längsrichtung der Hautfalte des M. trapezius aufgesetzt und lateral über das Akromion verschoben (Rabenschnabelschnitt , ◘ Abb. 21.7, ◘ Abb. 21.9):


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Abb. 21.9
a Tendinitis calcarea. Erkennbar ist die echoreiche Binnenstruktur in der Rotatorenmanschette mit deutlicher dorsaler Schallverstärkung, sodass der Humeruskopf an der Stelle nicht mehr erkennbar ist. Die Rotatorenmanschette ist intakt, keine Bursitis subacromialis (1: Akromion; 2: Rotatorenmanschette; 3: Humeruskopf; 4: Kalkdepot mit dorsaler Schallauslöschung). b Ebene zur Darstellung der Pathologie (sog. Wagenradschnitt, 1: Humeruskopf; 2: Rotatorenmanschette; 3: Kalkdepot mit dorsaler Schallauslöschung)





  • Echoreiche Binnenstruktur in der Rotatorenmanschette.


  • Dorsale Schallauslöschung.


21.2.3 Rotatorenmanschettenruptur


Der Schallkopf wird in Längsrichtung der Hautfalte des M. trapezius aufgesetzt und lateral über das Akromion verschoben (Rabenschnabelschnitt, ◘ Abb. 21.7, ◘ Abb. 21.10):


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Abb. 21.10
Man erkennt im Rabenschnabelschnitt, dass die normale Konfiguration der Rotatorenmanschette (Rabenschnabel) nicht mehr vorhanden ist. Erkennbar ist auch das laterale Ende (abgerissenes Ende) der Rotatorenmanschette (1: Akromion; 2: Humeruskopf; 3: M. deltoideus)





  • Die typische Rabenschnabelkonfiguration kann nicht dargestellt werden.


  • Unter Innen- und Außenrotation zeigt sich eine Änderung der dreieckförmigen Darstellung der Rotatorenmanschette.


  • Teilweise echoarme, teilweise echoreiche Binnenreflexe der Rotatorenmanschette.


  • Deutliche Seitendifferenz im Vergleich zur gesunden Schulter.


21.2.4 Erguss/Luxation im Acromioclaviculargelenk (ACG )


Der Schallkopf wird wie bei der Bursitis subdeltoidea (▶ Abschn. 21.2.1) beschrieben aufgesetzt und exakt über das ACG eingestellt. Das weitere Vorgehen ist wie beim Rabenschnabelschnitt beschrieben, nur wird der Schallkopf nicht so weit nach lateral geführt (◘ Abb. 21.7, ◘ Abb. 21.11):

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Apr 5, 2020 | Posted by in GENERAL RADIOLOGY | Comments Off on Bewegungsorgane
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